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News » Presse-Archiv » Presse Archiv 2005 » Immer mehr Berliner wandern aus
Zahl hat sich seit 1991 fast verdreifacht – Einfachere Firmengründungen und niedrige Steuern machen vor allem die USA attraktiv
Immer mehr Berliner verlassen die Hauptstadt, um im Ausland ein neues Leben zu beginnen. Die Zahl der Auswanderer ist seit 1991 von damals 2696 auf etwa 6900 im vergangenen Jahr gestiegen. „Die Zahlen steigen seit Jahren kontinuierlich“, bestätigt ein Sprecher des Statistischen Landesamtes.
Eingerechnet seien dabei allerdings auch deutsche Staatsbürger ausländischer Herkunft, die in ihr Heimatland zurückkehren. Auswanderungsziel Nummer eins bleiben trotzdem die USA, gefolgt von der Schweiz und Polen (siehe Grafik). Ungeachtet aktueller politischer Spannungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten, Terrorangst und Antiamerikanismus lebt der Mythos vom „american dream“. Seit 1820 wanderten nach Zahlen der US-Einwanderungsbehörde mehr als sieben Millionen Deutsche in die USA aus.
Der legendäre Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär lockt heute allerdings die wenigsten, weiß Sonja Dirscherl von der Berliner Firma „The American Dream – USA Service GmbH“. Seit Jahren berät sie für eines von wenigen staatlich anerkannten Unternehmen Auswanderungswillige bei ihrem Weg nach Amerika. „Wer heute auswandert, der träumt nicht von schnellem Reichtum oder Bilderbuchkarrieren“, sagt sie. Meist seien es ganz pragmatische Gründe. So sei etwa eine Unternehmensgründung in den USA viel schneller und preiswerter zu realisieren als in Deutschland. Die Steuern seien günstiger, die Jobaussichten in vielen Bereichen besser. „Vielen gefallen natürlich auch in erster Linie das Land und die Menschen, wenn sie dort etwa einmal im Urlaub waren“, sagt Sonja Dirscherl. Die Bandbreite der Auswanderer reiche vom hoch qualifizierten Single, der sich bessere Chancen im Beruf ausrechne bis zum Rentnerehepaar, das seinen Lebensabend unter Palmen in Florida verbringen wolle.
Eintrittskarte ins neue Leben ist für die meisten die „Green Card“, jenes inzwischen fast legendäre Plastikkärtchen, das den dauerhaften Aufenthalt in den USA erlaubt. Etwa 5 Millionen „GreenCards“ verlosen die USA jährlich weltweit. Im Jahr 2004 gingen etwa 1200 davon nach Deutschland, knapp etwa 60 nach Berlin. Hinzu kommen befristete Arbeitsvisa, Familienzusammenführungen, Visa für überdurchschnittlich qualifizierte Arbeitskräfte, Studenten und Investoren.
Das der Gewinn in der jährlichen „Green Card“ -Lotterie (Einsendeschluss 2005 ist der 30. September) allein schon für die Einreise in die USA reiche, sei ein weit verbreiteter Irrtum, sagt Sonja Dirscherl. Bis zum letztlich entscheidenden Interview im US- Konsulat in Frankfurt/Main vergingen bis zu zwei Jahre mit vielen Formularen und Überprüfungen. Erst dann gebe es grünes Licht für die erste Einreise, bei der die Einwanderungsbehörde offiziell die „Green Card“ aktiviere. Eine abgeschlossene Schulausbildung, möglichst mindestens die Mittlere Reife oder gleichwertige Berufserfahrung, finanzielle Rücklagen für die Startphase und ein makelloses polizeiliches Führungszeugnis seien Grundvoraussetzungen, um akzeptiert zu werden. Etwa 20 Prozent der Deutschen „Green Card“-Gewinner scheitern Jahr für Jahr an einer dieser Hürden oder verlieren während des Behördenmarathons das Interesse an der Auswanderung.
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