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News » Newsletter-Archiv » 2007 » STORIES & LIFESTYLE: Der renommierte Fotograf Horst Schäfer wird 75 - Eine Auswanderergeschichte
Eigentlich ist es eine unglaubliche Geschichte: Ein Maurergeselle aus dem Westerwald beschließt Anfang der 60er Jahre, als Fotograf Karriere zu machen – nicht irgendwo auf der Welt, sondern in New York. Über Kanada gelingt ihm die Einreise in die USA. Er fotografiert den Big Apple, seine himmelwärtsstrebende, kühne Architektur auf radikal moderne Weise, als würde die Kamera im Sturz die Fassaden entlang fliegen – und fällt beim Publikum durch. Die Fotos verschwinden in der Schublade. Und begründen 30 Jahre später den Aufstieg Horst Schäfers zum international bekannten Fotokünstler. Einige seiner New York-Fotografien sind Ikonen geworden.
Am Samstag feiert Schäfer, der 1980 nach Deutschland zurückkehrte und seit 1981 in Nürnberg lebt, 75. Geburtstag. Dass die anfängliche Ablehnung seiner Bilder für ihn eine große Enttäuschung war, räumt er noch heute offen ein. „Die Amerikaner hingen zu der Zeit an einem pseudobarocken Zuckerbäckerstil. Sie mochten die neue Architektur mit ihren strengen Formen nicht. Und deshalb mochten sie auch meine Bilder nicht, die das Strenge und Moderne ja noch betonten und ästhetisch in Szene setzten.“
BLICK FÜR DIE LEISEN MOMENTE
In seinem Stil beirren ließ sich Schäfer, damals Ende 20, jedoch nicht. Er blieb in New York, verdiente sein Geld als Agentur-Fotograf und als Bildreporter für die zu jener Zeit mächtige Pferderennen-Industrie. Sein Blick für die Nebenschauplätze, seine Begabung, die leisen Momente zum Sprechen zu bringen, brachte ihm große Anerkennung ein. Seine Fotos landeten schließlich doch noch auf den Titelseiten der New York Times und wurden weltweit verbreitet. Doch als Schäfer 1974 mit seiner Familie nach Denver/Colorado zog, kollidierte sein Stil erneut mit dem amerikanischen Geschmack, der Postkartenromantik favorisierte.
Das „nagende Gefühl nach Deutschland“, das er all die Jahre immer behalten hatte, gewann die Oberhand. Schäfer kehrte in seine alte Heimat zurück. Als Bildjournalist für Associated Press arbeitete er ab 1981 in Nürnberg, wo er sich schnell sehr wohl fühlte. Als Fotograf hat er die Stadt bis in den letzten Winkel erforscht und entdeckt doch immer wieder Neues.
Seit sich Schäfer 1993 als Fotokünstler selbständig gemacht hat, waren seine Arbeiten in etlichen Ausstellungen zu sehen, 2002 erhielt er den Nürnberger Kulturpreis. Anlässlich seines 75. Geburtstags zeigt die Städtische Galerie Erlangen eine große Retrospektive mit fast 200 Schwarzweiß-Aufnahmen aus 50 Jahren: Neben Schäfers Architekturbildern sind auch seine Naturfotografien und seine außergewöhnlich stimmungsvollen, Porträts von Kindern und Menschen in Siebenbürgen zu sehen, die nie inszeniert sind, sondern etwas vom authentischen Leben erzählen.
„Das instinktive Gefühl für den richtigen Augenblick“ nennt Schäfer als seine Stärke. Seine Bilder sind visuelle Entdeckungsreisen, zeigen das Besondere im Alltäglichen. „Mitgehen im Rhythmus des Alltags“, beschreibt der Fotograf seine Methode. Und genau das ist es wohl, was das Geheimnis seiner Bilder ausmacht.
Einige Beispielbilder von Horst Schäfer finden Sie unter:
www.das-fotoarchiv.com/portfolio/Schaefer/
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