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Ein winziger Formfehler – und „Game over“

Die Berliner Agentur „American Dream“ berät bei der kniffligen Bewerbung um eine „GreenCard“ Von Jana Henschel


Das Ding ist klein und heißbegehrt. Dabei hält es nicht einmal, was sein Name verspricht: Denn die GreenCard ist ferkelrosa. Und trotzdem gleicht es einem Sechser im Lotto, die ständige Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung für die USA zu bekommen. Schließlich ist nicht jeder Gérard Dépardieu und findet eine Andie MacDowell, die zur Scheinheirat bereit ist.

Auf dem bürokratischen Einbürgerungsweg liegen in der Realität noch mehr Steine im Weg als im Hollywood-Film „GreenCard“. Ein winziger Formfehler in den Papieren genügt, und die amerikanische Behörde erkennt die Bewerbung nicht an. Dabei bringt einen schon deren zwölfseitiges Pamphlet zu den Bewerbungsmodalitäten zur Verzweiflung – Amtsenglisch auf höchstem Niveau. Kein Wunder, dass sich 41 Prozent der Bewerber allein durch Formfehler disqualifizieren. „Der Teufel steckt im Detail“, das weiß niemand besser als Holger Zimmermann. Er ist einer der beiden Geschäfts- führer von „The American Dream“. Bei der Berliner Agentur erhalten jährlich 150 000 „ausreisewillige“ Deutsche (darunter 25 000 Berliner) Bewerbungshilfe zur GreenCard – rund um die Uhr.

Derzeit herrscht im Reinickendorfer Büro Hochdruck: Der nächste Bewerbungsschluss (am 3. November, 12 Uhr müssen die Unterlagen in New York sein) naht. 69 Mark kostet der Service, der mit einem Anruf unter der Hotline (Tel. 0180/ 511 05 11) beginnt. „Danach bekommen die Bewerber von der Agentur ein vereinfachtes Formular zugeschickt.“ Das ist auf deutsch und idiotensicher. Eigentlich. Dennoch vergisst rund ein Drittel der „Schützlinge“ auch hier die Angabe des Geburtstages, fügt zu große Fotos bei oder steckt die Unterlagen in „verbotene“ A4-Umschläge. In solchen Fällen schickt einer der 40 „American Dream“-Mitarbeiter die Unterlagen zur Korrektur zurück.

Ist schließlich alles in Amerika gelandet, beginnt das Warten. Nach sieben Monaten weiß man, ob man Glück in der Lotterie-Runde hatte. 55.000 GreenCards werden jährlich auf der ganzen Welt von den US-Behörden vergeben – nicht viel bei acht Millionen Bewerbern. Junge Wilde mit Drei- tagebart, die die Route 66 hochrauschen – dieses Klischee haben die wenigsten von ihnen im Kopf. Steuernachteile, schlechtes Wetter, politische Entwicklung – die Gründe der Auswanderer sind vielfältig. Lillemor Mallau hat sich des Jobs und der Liebe wegen um die GreenCard beworben. Und Glück gehabt: Noch im Oktober packt die Charlottenburgerin ihre Koffer und zieht zum Freund nach New York. „Ich werde im Benefiz-Bereich in den USA arbeiten“, sagt die 29-jährige Politologin. Dazu will sie eine Art Zweigstelle der Event-Agentur „Starlounge“ gründen, bei der sie in Berlin beschäftigt ist. Ob sie jedoch für immer bleibt, weiß sie nicht. Die Berliner Wohnung wird erstmal untervermietet.

Ihre Begeisterung für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten teilt sie jedoch uneingeschränkt mit den Geschäftsführern von „American Dream“. Marcus Sieber und Holger Zimmermann haben selbst lange in den USA studiert und gejobbt, bevor sie 1996 die Agentur gründeten. Ihr BWL- und Jura- Studium haben die Jugendfreunde vorerst auf Eis gelegt. Schließlich trudeln in der Graf-Haesele- Straße 30 täglich hunderte Briefe ein. Von der Agentur, die auch ein Büro im Empire State Building hat, erhält man auch Tipps zu Studium und Praktikum in den USA. Neuester Clou ist der Versand von US-Produkten.

Das Quentchen Glück, das man zur GreenCard braucht, können die Herren der „American Dream“ allerdings nicht beeinflussen – weder bei ihren nicht verzagenden „Stammkunden“ noch bei sich selbst: Holger Zimmermann und Marcus Sieber haben sich selbst schon vier Mal um die GreenCard beworben – vergeblich.

Versuchen Sie Ihr Glück unter: http://www.americandream.de


 


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