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Greencard: USA verlosen 55.000 Visa. Auswanderer-Lotterie: Bewerbung noch bis 4. Dezember möglich.
Einige haben gesagt: Ihr seid ja verrückt, erinnert sich Flavia Westerwelle, als sie 1997 mit Mann, zehnjährigem Sohn und neunjähriger Tochter in die USA auswanderte. Doch für die damals 40jährige und ihre Familie war es das richtige. Wir hatten viele Reisen in die USA unternommen. Und wir hatten immer das Gefühl, nach Hause zu kommen. Heute ist ihr Zuhause tatsächlich Amerika, genauer Greer, eine 20 000-Einwohner-Stadt in South Carolina - wo ihr die Menschen freundlicher und offener vorkommen als in Deutschland. Hier kann man sein Leben nach den eigenen Wünschen gestalten, ist die 48jährige überzeugt.
Ein Motiv, das viele Deutsche antreibt, die versuchen, in der jährlichen Greencard-Lotterie der US-Regierung das große Los zu ziehen. Die meisten suchen den American Way of Life, hat Flavia Westerwelle erfahren, die sich nicht mehr nur persönlich mit dem Thema Auswanderung beschäftigt. Sie hat Bücher darüber geschrieben (Auswanderer Survival Kit, Band 1 bis 3), weitere sind in Arbeit.
Auch in diesem Jahr hoffen wieder Millionen Menschen weltweit auf ihr Glück: 55.000 Diversity Visa, dank derer man unbefristet in den USA leben und arbeiten darf , werden verlost. Wie viele in welches Land gehen, wird von Jahr zu Jahr neu festgelegt. Nationen, die ihr Einwanderungskontingent erfüllt haben, werden vorübergehend sogar ganz von der Teilnehmerliste gestrichen. So ergeht es in der aktuellen Lotterie etwa Großbritannien. Die Deutschen dürfen noch dabei sein: Für sie standen in den letzten Jahren immer etwa 1000 Visa zur Verfügung, erklärt Gregory Naarden, Vizekonsul des US-Generalkonsulats in Frankfurt/Main.
Bewerbungen müssen bis zum 4. Dezember beim U.S. Department of State eingegangen sein. Die Bewerbung ist kostenfrei, betont Gregory Naarden. Und einfach findet er sie auch: Unsere Hinweise sind klar genug, so dass eigentlich jeder in der Lage ist, die Fragen selbständig zu beantworten. Dennoch gibt es Agenturen, die für sich ins Feld führen, Fehler und eventuell daraus resultierende Ablehnungen von vornherein auszuschließen. Wir prüfen den Antrag, bis er komplett und korrekt ist und so abgeschickt werden kann, erklärt Sonja Dirscherl von der weltweit tätigen Agentur American Dream (www.americandream.de). Außerdem werde eine deutsche Übersetzung aller Fragen der US-Behörde zur Verfügung gestellt, Gewinner betreut, bis sie das Visum erhalten. Gebühr: Zwischen 40 und 55 Euro, für Stammkunden 34. Denn natürlich klappt es nicht immer auf Anhieb. Flavia Westerwelle hat fünf Jahre lang mitgespielt
Silke M.* (46) hat den Sprung über den großen Teich 1999 gewagt. Mit Anfängerglück: Ich habe zum ersten Mal an der Lotterie teilgenommen und gleich gewonnen. Sie war als Touristin in New York City gewesen und hatte Gefallen an der Stadt gefunden. In Deutschland hielt sie allerdings auch nicht viel. Die Sportwissenschaftlerin war arbeitslos, fand nur Jobs ohne Perspektive. Ihr russischer Hausmeister, der selbst jahrelang vergeblich mitgespielt hatte, brachte sie auf die Idee.
Der Start in den USA war allerdings nicht leicht. Nach drei Monaten habe ich mich gefragt, was ich hier soll, erinnert sich Silke M. Sie kannte niemanden in der Millionen-Metropole, im Februar war sie eingereist, erst im September fand sie die erste Anstellung. Zwischendurch hat sie sich mit kleinen Jobs über Wasser gehalten, zum Beispiel bei einer Fotografin, der sie bei der Beleuchtung assistierte. Bereut hat die 46jährige ihre Entscheidung dennoch nie. Die Schwierigkeiten haben mich eher motiviert, weiterzumachen. Heute arbeitet sie als Verwaltungsangestellte.
Auch Flavia Westerwelle hat nie ans Aufgeben gedacht. Obwohl es ihre Familie anfangs ebenfalls nicht leicht hatte. In Deutschland war die 48jährige als Grafikdesignerin, ihr Mann als Kaufmann in der Textilindustrie tätig. Die Wahl auf den Standort South Carolina fiel deshalb, weil ihre Branche dort stark vertreten ist. Doch selbst solche Vorüberlegungen haben ihnen keinen Arbeitsvertrag beschert. Flavia Westerwelle kümmerte sich um die Kinder, begann Bücher zu schreiben. Ihr Mann machte sich mit einer Exportagentur selbständig. Nach drei schwierigen Jahren fand er endlich die erwünschte Festanstellung.
Man braucht Startkapital, um die Anfangszeit zu überbrücken, sagt Flavia Westerwelle. Außerdem sollte man vorab Kontakte in die USA knüpfen, um sich den Einstieg zu erleichtern. Eine Möglichkeit dazu bietet sie selbst mit Diskussionsforen im Internet. Ihr wohl wichtigster Tip: realistisch sein. Wir meinen oft, wir kennen die USA durch Reisen, Filme, Auslandssemester. Aber die Gesellschaft ist doch sehr anders und es dauert länger als man denkt, sich mit den Eigenheiten zu arrangieren. In South Carolina etwa habe sie gelernt, sehr vorsichtig auf Menschen zuzugehen, körperlich nie zu dicht an andere heranzutreten. Aber wenn man akzeptiert, dass hier einiges anders läuft und man versucht sich anzupassen, kommt man gut zurecht. Nur wer unbedingt weiterhin deutsch sein wolle, werde nie wirklich heimisch werden.
* Name ist der Redaktion bekannt
erschienen am 19. November 2005
Von Andrea Pawlik
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