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News » Newsletter-Archiv » 2011 » Newsletter 04-05/2011 » Story und Lifestyle: Die gruene Trasse von Manhattan
Die Gegend in Lower Manhattan war bis vor einiger Zeit eine heruntergekommene Gegend mit einer verfallenden Hochbahntrasse. Die Bürger des Meatpacking Districts machten sich aufgrund dessen dafür stark, aus dieser seit 1980 stillgelegten Hochbahntrasse ein begrüntes Erholungsgebiet zu machen. Dieses Projekt kommt bis zum heutigen Tage so gut an, dass nun der zweite Abschnitt der New Yorker High Line eröffnet wird.
Von 1934 bis 1980 fuhren an dieser Stelle Güterzüge zwischen den Lagerhäusern der Lower Westside. Nachdem nur der südlich verlaufende Streckenabschnitt erfolgreich abgerissen wurde, sollte auch das ca. 2 km lange Stück zwischen Gansevoort und der 34th Street dem Erdboden gleich gemacht werden. Zu einem Abriss kam es auch nach 10 Jahren nicht, doch eine Verwandlung hat der Stadtteil durch diese Hochbahntrasse dennoch durchgemacht: es ist zum bezauberndsten und originellsten für die Öffentlichkeit zugänglichen Raum in ganz New York geworden.
Eröffnet wurde das untere Drittel (Gansevoort Street bis zur West 20th Street) im Sommer 2009. Dieses Jahr wird der nächste Teil für Besucher zugänglich gemacht. Mit diesem Teilstück wird der bisher geöffnete Park um einen Kilometer erweitert (das entspricht etwa 10 Querstraßen).
Die High Line liegt in 8 Metern Höhe und bietet alles, was auch andere, ebenerdige Parks bieten: Bänke laden zum Verweilen ein, der Blick kann bei einem ausgiebigen Spaziergang über den Hudson River schweifen und auf einmal ist es problemlos machbar, ohne Ampeln und Verkehr 10 Blocks weit zu laufen.
Der Landschafts-architekt James Corner (Field Operations und Diller Scofidio + Renfro) übertraf mit seinem Konzept Berühmtheiten wie Steven Holl, Michael van Valkenburgh und Zaha Hadid. „Überall soll der Charakter der High Line spürbar bleiben, aber dabei soll es Variationen geben", so Corner über sein Konzept. So wurden die Gehwege und die Bepflanzung in die Gleise integriert. Bepflanzt sind die Abschnitte mit Schilfpflanzen, hohen Gräsern und Wildblumen. Diese Kultivierung soll dem natürlichen Bewuchs der Gleise ähneln.
Die Entstehung der grünen Hochbahntrasse
In jeder Geschichte gibt es einen Helden. Bei dieser Geschichte sind es gleich zwei. Robert Hammond und Joshua David, die sich 1999 bei einem Anwohnertreffen kennenlernten. Bei diesem Anwohnertreffen ging es um nichts Geringeres, als die Zukunft der Hochbahntrasse. Beide waren die Einzigen, die für den Erhalt der Trasse stimmten. „In New York träumen wir immer von der freien Natur. Es ist ein Phantasiebild, das einen ständig verfolgt, wenn man in einer der winzigen Wohnungen hier lebt", erklärt David. Sie beschlossen sich dem Projekt anzunehmen und verwiesen auf ein ähnliches Beispiel aus Paris: In der Nähe der „Place de la Bastille" wurde eine stillgelegte Bahnstrecke in einen unglaublich beliebten Park umgestaltet - die „Promenade plantée" (coulée verte).
Hammond und David organisierten einen „Ideenwettbewerb" - es handelte sich hierbei um keine formale Ausschreibung für Architekten. Es war vielmehr eine Einladung an alle, Entwürfe und Einfälle zu präsentieren, was alles aus der High Line gemacht werden könnte. David und Hammond rechneten mit etwa einem Dutzend Zuschriften - doch es kamen 720 Einsendungen aus 36 Ländern zusammen.
Der Rettungsplan wurde von Giulianis Nachfolger Michael Bloomberg unterstützt. 112,2 Millionen Dollar übernahm die Stadt für Planung und Bau der ersten beiden Abschnitte, welche auf 153 Millionen Dollar veranschlagt wurden. Aus dem Bundeshaushalt und der New Yorker Staatskasse kamen weitere 21,4 Millionen und die „Freunde der High Line" willigten ein, die noch ausstehenden 19,4, Millionen Dollar und einen Teil der Betriebskosten aufzubringen, sobald der Park eröffnet sei.
Bei Touristen und Einheimischen beliebt
Gleich vom Eröffnungstag an fand der Park riesengroßen Anklang - nicht nur bei Touristen! Anwohner nutzen die Wege, genießen die Natur und versammeln sich auf den Aussichtsplattformen und Sonnendecks - in dem einzigen Garten gleich vor der Tür und vor allem mitten in der Stadt.
Die Trasse verläuft an einigen Stellen unter Gebäuden hindurch, anschließend hat man wieder einen freien Blick auf den Hudson River und die Skyline von Midtown Manhattan.
Einer der beliebtesten Plätze ist das Amphitheater in Höhe der 10th Avenue: Von dort aus kann man das hecktische Gewimmel auf den Straßen beobachten. Geht man einige Schritte Richtung Norden, trifft man auf Bänke, die dazu einladen das bunte und quirlige Geschehen durch riesige weiße Rahmen - die an die einst vorhandenen Werbetafeln an den umliegenden Häusern erinnern - zu beobachten.
Das Projekt „New York High Line" ist ein voller Erfolg und wird von der Bevölkerung gerne angenommen und genutzt. Durch diesen Park ist die ganze Stadt zu einer Bühne geworden. Besucher haben von oben einen herausragenden Überblick auf das Geschehen. Man befindet sich in einer grünen Oase, aber ist dennoch in der ca. 9 Millionen Einwohner-Metropole New York. Wer denkt bei diesem wunderbar angelegten und idyllischen Park noch an ein verrottetes, altes Stahlgerippe?!
Bilder/Fotos und Quelle: National Geographic (April 2011), Diane Cook, Len Jenshel
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